Zu Besuch auf dem größten Autoparkplatz der Welt*

Am Freitag, 26.10.2018 war die Klasse S17A zu Besuch in Bremerhaven. Auf Einladung von Herrn Matthias Witte, Manager Operations BLG Logistics Solutions GmbH & Co. KG wurden wir über das Containerterminal geführt. Die Stromkaje mit einer Länge von fast 5 km war voll besetzt. Bei unserer Fahrt entlang der Kaje sahen wir die kleineren Feederschiffe, aber auch die größeren Containerschiffe bis hin zur E-.Klasse von Maersk. Ein geschäftiges „Treiben“ der Van Carrier auf dem Terminal. Das Containerterminal verfügt derzeit über 43 Containerbrücken.

Die älteren von ihnen, Modelle, die in China gefertigt wurden, werden nun nach und nach ausgemustert. Der Terminalbetreiber hat die neuen Brücken aus Qualitätsgründen nun bei Liebherr Container Cranes in Irland in Auftrag gegeben. Diese Containerbrücken gehören zu den weltweit größten Kränen ihrer Art. Sie haben eine Gesamthöhe von 135 Metern und können wasserseitig 73 Meter überspannen. Damit können auch die größten Containerschiffe abgefertigt werden. Übrigens werden die größten Containerschiffe mit bis zu 7 Containerbrücken abgefertigt, kleinere mit bis zu 5.

Weiter ging es auf den angrenzenden Car- und High & Heavy Bereich der BLG, der direkt an das Containerterminal angrenzt, allerdings aus Gründen des Tidenhubs (3,50 – 4,20 m) im Dockhafen abgewickelt wird. Zunächst fuhren wir zum Offshore-Terminal auf der ABC-Halbinsel. Hier entstehen gerade riesige Komponenten eines kanadischen Erzbergwerks. Riesige Stahlgerüste bilden zusammen eine komplette Sieb- und Brechanlage für ein kanadisches Erzbergwerk. In der Region, in der es eingesetzt werden soll, kann dieses aufgrund der dortigen Klimaverhältnisse nicht fertiggestellt werden, deshalb geschieht dies hier. Anschließend soll es auf ein sog. Errichterschiff verladen und zum Einsatzgebiet auf Neufundland transportiert werden.

Neufund
                                       Eine Siebanlage für Neufundland - in Bremen aufgebaut               Foto: Dietmar Nogai

Danach ging es über das Autoterminal am Kaiserhafen III und II zurück zum Ost- und Nordhafen. In Bremerhaven wurden 2017 2,2 Mill. Autos und knapp 1,2 Mill. t Schwergut verschifft. Das Carterminal ist zurzeit mehr als ausgelastet, so dass man eigentliche Freiflächen „umwidmen“ musste. Interessant war auch der Hinweis, dass Schäden an ankommendenen Fahrzeugen von der BLG in einem sog. PDI-Center (Pre-Delivery Inspection) behoben werden. Zudem werden die Fahrzeuge dort nach Kundenwünschen umgerüstet. Somit betreibt die BLG hier eine der größten Autowerkstätten der Welt. High & Heavy heißt aber auch, dass hier Kettenfahrzeuge, Rolltreppen, Hubschrauber u.a. Großteile auf Mafi-Trailer verladen in die Ro/Ro-Schiffe transportiert werden, deren Rampe eine Tragfähigkeit von 150 t und mehr haben.

Die bremischen Häfen verfügen als traditionelle Eisenbahn-Häfen über eine gut ausgebaute Schieneninfrastruktur. 80 Prozent der dort umgeschlagenen Einheiten erreichen oder verlassen den Hafen über die Schiene.

Nach dieser sehr interessanten Führung ging es zur Lotsenbrüderschaft Weser 2 / Jade in den Bremerhavener Geestevorhafen. Hier erwarteten uns Frau Daniela Maria Dees und der 1. Ältermann Jan-Helge Janssen. Nachdem Herr Janssen seinen beruflichen Werdegang bis zum Lotsen dargestellt hatte, stellte er anschaulich per ppt-Vortrag das Lotsgebiet der Lotsenbruderschaft, sowie Aufgaben des Lotswesens auf der Außenweser dar, von den Lotsenstationsschiffen bis zum Anlegemanöver, das allerdings – mit Ausnahme von Wilhelmshaven - die hiesigen Hafenlotsen übernehmen. Er machte auch deutlich, dass die Lotszeit nach Bremerhaven nur 3 Stunden (WHV 2 Stunden), und die nach Hamburg 9 Stunden dauern würde. Als einzige deutsche Lotsenbrüderschaft bietet diese auch den Hubschrauberversetzdienst der Lotsen an - Argumente, die Hamburg nicht bieten kann.

BHV4
                                                    Zu Besuch bei der Lotsenbrüderschaft                                   Foto: Dietmar Nogai

Ein großes Ärgernis der Lotsen ist, dass in Deutschland den Reedern Lotsabgaben und Lotsgebühren in Rechnung gestellt werden, obwohl die Lotsabgabe eine öffentlich-rechtliche ist und der Instandhaltung der Wasserwege dient. Damit haben die Lotsen nichts zu tun, was in der Öffentlichkeit übersehen wird und deshalb zu Missverständnissen führt. In anderen Staaten gibt es diese Abgabe ebenfalls, allerdings unter Begriffen wie „waterway dues“, „lighthouse dues“ etc.

Dank an Frau Dees für die liebevolle Betreuung und Herrn Janssen für seinen spannenden Vortrag in der Lotsenbrüderschaft, sowie Herrn Witte für die vielen Informationen über den Hafenbereich.

Dietmar Nogai, Bildungsgangleiter Spedition an der BS GAV

* Nachfrage der Redaktion: Sogar größer als der Schulparkplatz!?