Das war ja besser als unsere Hafenbesichtigung in Antwerpen

Das waren die Worte des Azubis Dominik nach dieser etwas anstrengenden Tagestour durch die Häfen in der Stadt Bremen.

Von Dietmar Nogai

Begonnen haben wir die Tour mit einer Schulklasse am Industriehafen am vergangenen Freitag (07.September). Dieser Hafenbereich, in dem etwa jede achte Tonne des Landes Bremen umgeschlagen wird, ist ein Dockhafen. Die Schleuse mit ihren Panamax-Abmessungen ermöglicht es Massengutfrachtern der Panamax-Größe diesen Hafenbereich anzulaufen. Unternehmen, die sich an den sieben Hafenbecken angesiedelt haben, sind CR3-Kaffeeveredelung M. Hermsen, die entkoffeinierten Kaffee herstellen (Bremen gilt mit seinen 2 verbliebenen Entkoffeinierungsunternehmen als weltweit größter Produzent dieser Kaffeesorte), sowie mittelständische Umschlags- und Logistikbetriebe.

Die Weserport GmbH ist unter ihnen das Hauptumschlagsunternehmen des Hafens. Dieses Unternehmen beschäftigt sich mit dem Umschlag der Im- und Exportprodukte von ArcelorMittal Bremen GmbH (Stahl, Kohle, Koks u.a.) im Hüttenhafen (Terminal 1), sowie auf den Terminals 2 und Kalihafen mit dem Umschlag weiterer Stück- und Massengüter nach Kundenwunsch.

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        Hinter den Kulissen der Weltwirtschaft: Papierlager im Neustädter Hafen

Am Terminal 1 wurden während unseres Besuchs gerade 2 Seeschiffe abgefertigt. Während das eine Stahlbrammen aus Dünkirchen brachte, wurden auf dem anderen Schiff nässeempfindliche Stahlcoils für die Fahrzeugindustrie in England verladen. Interessant für die Schifffahrtsklasse war zu erfahren, dass bei der hiesigen Verladung durchaus noch Bs/L vom Kapitän gezeichnet werden, häufig auch Mate`s Receipts Verwendung finden und das „Letter of Indemnity“ nicht selten zur Anwendung kommt. Weiter ging es dann zum Terminal 3 , dem vor der Schleuse gelegenen Hafenbereich Osterort, wo die Erzfrachter ihre Ladung aus dem schwedischen Eisenerzgebiet Kiruna via den Verschiffungshafen Narvik/Norwegen erhalten. Hier konnten wir zwei der größten Schiffe sehen, die die Häfen der Stadt Bremen anlaufen, den Erzfrachte „SBI Phoenix“ (36.000 gt). Und den voll abgeladenen, aus Murmansk kommenden Kohlefrachter „S Bronco“ (21.000 gt) sehen, der auf die Einfahrt in die Schleuse wartete.

Nach dieser interessanten Führung durch den Leiter der Agentur, Thorsten Fischer, ging es in den Holz- und Fabrikenhafen. Ein wichtiges Umschlagsprodukt dieses Hafenbereichs ist der Kaffee. Auch wenn sich in Hamburg Europas wichtigster Umschlagplatz für Rohkaffee befindet, so ist Bremen einer der wichtigsten Lagerplätze für Kaffee, der per Lkw aus Hamburg nach Bremen transportiert wird. Die Berthold Vollers GmbH und der Dienstleister und Terminal-Betreiber J. MÜLLER Weser GmbH & Co. KG im Holz- und Fabrikenhafen haben sich u.a. auf die Lagerhaltung dieses Produktes spezialisiert. Der Vertriebsleiter Axel Boedtger sowie Timo Köhnemann zeigten uns die unterschiedlichen Arten der Kaffeeverladung im Container (Verladung in sog. „Liner Bags“ und Sackverladung).

Nachdem die Freigabe des Zolls gegeben wurde (das Unternehmen ist AEO), die Siegelnummer des Verladers geprüft wurde, durchtrennt ein Lagerarbeiter mit einem Bolzenschneider die Versiegelung und öffnet die schweren Stahltüren. Zum Vorschein kommt ein riesiger weißer Kunststoffsack, der den Container ausfüllt und randvoll mit Kaffee ist. Mit einer Leiter wird die obere Kaffeelage auf Ungeziefer und eventuelle Nässeschäden geprüft, bevor mit dem Probenstecher, einer hohlen metallenen Lanze, das Kunststoff-Inlet durchstoßen und von zwei verschiedenen Bereichen eine Kaffeeprobe des graugrünen noch warmen Rohkaffees entnommen wird, die dann auf den Weg in das Prüflabor des Empfängers geht. Solange muss der Kaffee im Container verbleiben. Erst nach dem positivem Bescheid des Eigentümers darf der Kaffee in den riesigen Silos eingelagert werden.

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                         Holz-und Fabrikenhafen: Kaffeeproben aus erster Hand

Nach der Siloverladung eines bereits zugelassenen Containers ging es in die Lagerschuppen für Kaffee, Fischmehl, Kryll und Kakao.

Weiter ging es anschließend in den Neustädter Hafen, Europas größtem Terminal für High & Heavy-Ladung, wo uns der Geschäftsführer und Vertriebsleiter Sven Riekers fachkundig über das Terminal führte. Leider lag im Hafen nur ein Schiff, in das Zement verladen wurde. Für den Montag waren drei Schiffe angekündigt. Beim Gang durch die Schuppen sahen wir, dass es auch nicht containerisierte Stückgüter wie z.B. große Fabrikanlagen gibt. Die Linde AG beispielsweise fertigt seit etwa 15 Jahren im Neustädter Hafen Großmodule für die Gasproduktion. Das Münchener Unternehmen nutzt dabei den Vorteil, schwere Module mit mehreren hundert Tonnen Gewicht direkt am Wasser zu montieren und per Schwergutschiff verladen zu können. Spezialisiert ist dieser Hafenbereich auch auf die Verladung von Stahlröhren. So warteten viele dieser Röhren auf die Verladung in Richtung USA, wo sie beim Fracking von Öl eingesetzt werden. Große Schnittholzpakete aus Thüringen werden hier auch für den US-Export zwischengelagert.

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             Bereit für die Sieben Weltmeere: seefest verpackte Ware im Container

Unser letzter Besuch galt dem Containerpackbetrieb DCP Dettmer Container Packing GmbH & Co. KG. Nachdem uns der Vertriebsleiter, Stefan Hinderks, theoretisch über die Arbeiten dieses Dienstleisters informiert hatte, führten uns Marco Paikert und Marcel Busse über den Betriebsbereich. Hier wurden wir über die betrieblichen Abläufe von Im- und Exportcontainern informiert. Wir sahen die direkte Beladung und Ladungssicherung an. Zudem erfuhren wir, dass in regelmäßigen Abständen – vor der Beladung, während und vor dem Verschluss des Containers digitale Beweisfotos vom Stauer gemacht werden, die im Büro gespeichert und den Aufträgen zugeordnet werden.

Dietmar Nogai, Bildungsgangleiter Spedition an der BS GAV

PS der Redaktion: Danke an Dietmar Nogai für diesen schönen Bericht direkt von der Bremer Hafenkante! Wir ergänzen mit einem kleinen Blick zurück und ein paar stimmungsvollen (Schwarz-Weiß-) Bildern aus alten Tagen - so war das damals hier in der Hansestadt: