Eine etwas andere Hafenrundfahrt

Mit dem Bus durch die innerstädtischen Häfen Bremens

von Dietmar Nogai (Fachleitung Spedition)

Es gibt nicht nur den Hafenumschlag von Containern in den großen Mainports Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und Bremerhaven. Auch die kleineren Häfen, wie z.B. die innerstädtischen Häfen Bremens, haben ihre Nischen gefunden und müssen sich nicht verstecken.

Zu diesem Zweck werden an unserer Berufsschule auch Fahrten durch Bremens Hafenanlagen mit deren hafennahen Unternehmen angeboten.

Am 14.Juni 2017 war die Speditionsklasse SP16D hier unterwegs. Von den Industriehäfen auf der rechten Weserseite bis zu dem Neustädter Hafen links der Weser fuhren wir 10 Hafenbereiche ab und besuchten vier tüchtige Unternehmen.
Erster Stopp war die Firma Weserport GmbH im Industriehafen, die an vier eigenen Terminals Stück- und Massengut umschlägt. Bei den Stückgütern dominieren die Güter von ArcelorMittal, also kalt- und warmgewalzte Coils bzw. Brammen. Coils sind zu Rollen aufgewickelte Bleche z.B. für die Autoindustrie, und Brammen sind Blöcke (ca. 2,60 x 8,00 m mit einer Stärke von 30-50 cm) aus gegossenem Stahl mit einem Gewicht von ca. 15 – 20 t, die bei späterer Verwendung ausgewalzt werden.
Interessant zu sehen war die Verladung von Stahlcoils auf die MS Santa Fe nach Detroit. Die fachkundige Führung machte Thorsten Fischer (Leiter der Schiffsagentur).

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Weiter ging es dann in den Holz- und Fabrikenhafen, in dem die Firma J. Müller Weser ein bedeutender Lager- und Umschlagsbetrieb ist. Die Hauptumschlags- und Lagergüter sind hier Kaffee, Fischmehl, Krill (eine Art Krebstier aus der Antarktis) und ein wenig Kakao. Der Krill wird dabei als Futter für Aquakulturen - insbesondere für Lachsfarmen in Norwegen - umgeschlagen.
Neben der Kaffee-, Kakao-, Fischmehl- und Krilllagerung zeigte Herr Köhnemann (J. Müller Weser) der Klasse die Kaffeeverladung als Bulkware sowie auch als lose Ware und erläuterte das jeweilige Musterziehen.

Durch den Zukauf der Umschlagsanlagen der Firma Wandel und der mächtigen Getreideverkehrsanlage ist die J. Müller Weser zum größten Lagerhalter für Kaffee und sonstige Güter aufgestiegen. Gemäß EU-Richtlinien muss Fischmehl vor der Einfuhr in die EU auf Salmonellen und andere Bakterien untersucht werden. Als einziger Terminal Europas verfügt der Terminal über eine thermische Sterilisierungsanlage,. Das Fischmehl wird dabei auf über 80° C. erhitzt. Dies sorgt für ein sicheres Abtöten der Bakterien und schont die wertvollen Inhaltsstoffe.

Nach dem Besuch ging es mit dem Bus weiter auf die linke Weserseite zur BLG Cargo Logistics GmbH, wo uns der Geschäftsführer Sven Riekers empfing. Nachdem am Montag acht große Seeschiffe im Neustädter Hafen lagen, waren es heute nur noch zwei Mehrzweckfrachter, die konventionelle Projektladung für Nordafrika aufnahmen. Die Projektladung ist eine Spezialität des Neustädter Hafens. Im Fokus stehen hier Stück- und Schwergüter, sowie Stahlprodukte. Container werden fast gar nicht mehr umgeschlagen, obwohl die erste Containerbrücke Europas hier errichtet und vor vielen Jahren nach China verkauft wurde.

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Ein seit Jahren fester Kunde des Neustädter Hafens ist der Großanlagenbauer Linde, dem die BLG Montageflächen zur Verfügung gestellt hat, auf denen kleinere Module und Systemkomponenten von Lieferanten konsolidiert und zu Großanlagen vormontiert werden, die dann direkt auf das Seeschiff verladen werden.

Den Abschluss der Hafenexkursion bildete ein Besuch bei der Dettmer Container Packing GmbH & Co. KG, deren Geschäftsführer Herr Bindemann uns fachkundig zur Seite stand. Die Auszubildenden erfuhren, wie die einzelnen Stückgüter angeliefert, erfasst und den passenden Containern zugeordnet werden. Auch das anschließende Stauen der Container, die fachgerechte Ladungssicherung und deren Dokumentation wurde uns gezeigt.

Zusammenfassend geht ein interessanter Tag zu Ende, der uns gezeigt hat, dass es auch in den innerstädtischen Hafenbereichen Bremens große Seeschiffe zu sehen gibt und nicht alle Güter aufgrund ihrer Dimensionen und Gewichte in Container verladen werden können.

Alle Personen, die uns über die Terminals geführt haben, waren übrigens ehemalige Auszubildende unserer Berufsschule! Ihnen gilt unser besonderer Dank!